Synagoge wird zu einem Ort der Begegnung
26.07.10
Sanierung Mit einem Volumen von 983.000 Euro wird die ehemalige Synagoge in Lichtenfels nun renoviert. Der große Raum soll künftig für kulturelle Veranstaltungen genutzt und um ein Foyer erweitert werden. Der Platz vor der Synagoge wird ebenfalls umgestaltet zu einem "Platz der Ruhe und des Gesprächs".

Mit dem symbolischen ersten Spatenstich eröffneten am Montagnachmittag Bürgermeisterin Bianca Fischer, Landrat Reinhard Leutner, Bezirksheimatpfleger Günter Dippold und andere die Renovierungsphase. Aus dem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert soll - so sieht es das Konzept vor - eine Begegnungsstätte werden. Zudem werde die Synagoge ein Ort, an dem Vorträge, Konzerte und Ausstellungen stattfinden, sagte die Bürgermeisterin. Insgesamt seien 983 000 Euro für das Projekt veranschlagt, fuhr Bianca Fischer fort. Die Oberfrankenstiftung gebe 350 000 Euro dazu und über die Städtebauförderung erhalte man 356 000 Euro, so dass die Stadt Lichtenfels lediglich 207 000 Euro Eigenmittel aufbringen müsse.
Gemeinsam erarbeitetes Konzept
Das von mehreren Behörden und Institutionen unter Federführung von Prof. Günter Dippold erarbeitete Konzept erhielt großes Lob von der Bürgermeisterin. Und sie ist froh, dass nun mit der Renovierung begonnen werden kann: "Es war ein langer Weg, bis die Stadt das Gebäude 2005 erwerben konnte."Landrat Reinhard Leutner stimmte zu: Es sei gut und richtig, dass aus der Synagoge eine Gedenk- und Mahnstätte wird, sagte er, "das steht einer Stadt gut an". "Lichtenfels ist ohne seine jüdische Geschichte nicht denkbar, und die Synagoge ist das wichtigste Zeugnis dieser jüdischen Geschichte", sagte Bezirksheimatpfleger Günter Dippold. Es sei gut, dass dieses Gebäude nun hervorgeholt werde aus seinem Schattendasein: "Es soll ein Ort der Begegnung werden." Das Projekt, so Günter Dippold, stehe in guter Tradition des guten Miteinanders von Juden und Christen in Lichtenfels. Dieses Miteinander sei in Lichtenfels "ausgeprägter als an anderen Orten".Die jüdische Gemeinde in der Stadt sei über die Jahrhunderte hinweg zahlreicher geworden, das Zusammenleben sei Normalität gewesen. In nachbarschaftlichem Verhältnis hätten Juden und Christen zusammengelebt, aber wie es bei Nachbarn eben so sei: "Nachbarn gibt's immer solche und solche."
Lichtenfelser Liberalismus
Günter Dippold charakterisierte Lichtenfels als eine Stadt, "in der der Liberalismus sehr stark war - ein Thomas Dehler kommt nicht zufällig aus Lichtenfels". Gleichwohl sei der Bruch 1933 in Lichtenfels "mindestens so brutal wie an anderen Orten" vollzogen worden. Die friedliche, jahrhundertelange Nachbarschaft von Juden und Christen habe spätestens in der Pogromnacht von 1938 eine grausame Wendung genommen, die bis hin zum Mord reichte. Den schlichten, aber schönen Synagogenraum lobte Günter Dippold wegen der guten Akustik: "Das ist ein Raum, in dem es sich gut reden lässt, das wird ein guter Vortragsraum." Die Bürgermeisterin hatte zuvor darauf hingewiesen, dass das Gesamtkonzept auch den Anbau betreffe, der zum Foyer umgestaltet werde. Außerdem werde die Freifläche vor dem Ensemble mit gelben Natursteinen gepflastert. Zur Straße hin runde eine Grünfläche das Areal ab, das zu einem "Platz der Ruhe und des Gesprächs" werden soll.
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